Wangenbeißen, Saugen, Unterdruck: Kreative Idee dagegen

Wangenbeißen, Saugen, Unterdruck: Kreative Idee dagegen

Es gibt nicht einfach nur das eine Zähneknirschen, das immer gleich aussieht. Im Gegenteil, Bruxismus ist vielfältig: Die drei wichtigsten Phänomene aus meiner Sicht sind Zähneknirschen mit seitlicher Unterkieferbewegung, nahezu statisches Zähnepressen mit hoher Muskelanspannung und Kieferpressen mit angespannten Mundschließern ohne Zahnkontakt. Dann gibt es da aber auch noch häufige Nebenerscheinungen des Bruxismus. Dazu zählt in jedem Fall das Zungenpressen, bei dem Kraft mit der Zunge ausgeübt wird. Und dazu zählt auch das Thema des heutigen Blogbeitrags: Saugen, Unterdruck, Wangenbeißen. Der Zähneknirscher Paul (Name geändert) ist euch bereits aus früheren Artikeln bekannt. Nach der Lektüre meines Ratgebers Schluss mit Zähneknirschen hat er mir eine ausführliche Mail mit ergänzenden Tipps und Tricks aus seiner Knirscherkarriere geschrieben. Heute geht es um eine kreative Idee, mit der Paul das Saugen und Wangenbeißen losgeworden ist.

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  • Quelle Titelbild: Privates Foto von Zähneknirscher Paul (Name geändert)

Saugen, Unterdruck, Wangenbeißen im Zusammenhang mit Zähneknirschen

Wer ein ernsthaftes Problem mit Schlafbruxismus hat, bei dem wüten nachts im Mund ungesunde Kräfte. Er schadet sich unbewusst selbst. Bei manchen Auswüchsen fragt man sich: Was soll das eigentlich und warum macht der Körper das? Während das „klassische“ Zähneknirschen zumindest messbar den Pegel von Stresshormonen im Blut senkt und somit neben vielen negativen Folgen immerhin auch eine positive Auswirkung hat, kann ich mir das beim Zungenbeißen und Wangenbeißen kaum vorstellen. Was soll es bringen, kraftvoll in diese weichen Materialien hineinzubeißen?

Nichtsdestoweniger passiert es, und das nicht nur in der Nacht. Tagsüber sind die eingesetzten Muskelkräfte zwar nicht so stark wie in der Nacht, wenn die Schmerzschwelle zugunsten des Schlafs deutlich abgesenkt ist. Aber einige Zähneknirscher und CMD-Patienten ziehen auch tagsüber die Wangen gelegentlich durch Unterdruck nach innen zwischen die Zähne. Ich kann mich erinnern, dies vor einigen Jahren ebenfalls gemacht zu haben. Andere Betroffene gehen noch einen Schritt weiter und beißen auch tagsüber auf die eingezogenen Wangen, wenn auch mit weniger Kraft als in der Nacht.

Wangenbeißen erkennen

Unsere Wangen sehen wir für gewöhnlich noch nicht einmal im Spiegel. Wie soll man Wangenbeißen also erkennen? In manchen Fällen liegen die Symptome ganz eindeutig, wie in diesem Beispiel aus dem Onmedaforum:

Inzwischen habe ich in den Wangen zwei lange Narben, die vom hintersten Zahn bis zum Mundwinkel laufen und meine Zunge ist seitlich auf Höhe der Backenzähne total ausgefleddert und hat Narben bis zur Zungenspitze.

https://www.onmeda.de/forum/zahnmedizin/77967-auf-zunge-und-wange-beissen

Wie aber identifiziert man Wangenbeißen, wenn die Folgen nicht so eindeutig sind? Tagsüber bzw. wenn du wach bist (an dieser Stelle ein herzlicher Gruß und ein Dankeschön an alle Schichtdienstarbeiter), kannst du ganz bewusst darauf achten, ob dir das Wangenansaugen und Wangenbeißen passiert. Falls ja, ist das ein Hinweis darauf, dass du möglicherweise auch in der Nacht deine Wangen ins Knirschergeschehen einbeziehst. Ob du nachts auf den Wangen beißt, kannst du möglicherweise an Zahnabdrücken oder kleinen Verletzungen im Wangenbereich erkennen. Diese kannst du mithilfe deiner Zunge ertasten oder mit ein paar Verrenkungen im Spiegel sehen.

Mit einem Strohhalm gegen Saugen, Unterdruck und Wangenbeißen

Während es allerlei Hilfsmittel gegen Zähneknirschen, und Zähnepressen tagsüber wie nachts gibt, helfen die mir bekannten Medizinprodukte nicht beim Wangenbeißen. Paul, der ebenfalls  hat aber eine kreative Idee entwickelt:

Bei mir war auch das nächtliche Saugen ein großes Problem. Dabei wird im Mund ein Unterdruck erzeugt- hat seinen Ursprung vielleicht in frühkindlicher Programmierung? Der Zahnarzt sieht dann in den Wageninnenseiten die Abdrücke der Zahnreihen- wenn er weiß, worauf er achten muss. Das habe ich gelöst durch einen kleinen Zusatz an meiner Schiene. Ein Draht führt von der Schiene seitlich in der Wange in den Mundwinkel, über diesen ist ein Strohhalm gestülpt. Der ragt mir aus dem Mundwinkel, etwa 5 mm, stört also kaum. Jetzt kann ich keinen Unterdruck mehr erzeugen, denn durch den Strohhalm wird Luft angesaugt, die den Unterdruck auflöst. Falls das verständlich ist. Ich weiß nicht, ob der Saugwunsch noch im Ansatz besteht, aber da kein Unterdruck mehr erzeugt werden kann, ist die Symptomatik weg. Was mich sehr erleichtert, den ich hatte schon hohle Wangen von nächtlichen Saugen. Ich schick dir bei Interesse gern ein Foto von dem Strohhalm.

Zähneknirscher Paul

Und das sieht man vom Strohhalm, wenn die Schiene eingesetzt und der Mund zu ist:

(Nein, das ist kein Zigarettenstummel.) Im nächsten Zitat beschreibt Paul seine Idee noch etwas ausführlicher.

Schiene mit Strohhalm gegen Saugen, Unterdruck und Wangenbeißen

Ich schicke dir 2 Fotos, auf denen man hoffentlich erkennen kann, wie das funktioniert. Der hintere Teil des Strohhalmdrahtes, mit Silikonschlauch, dient zur Stabilisierung (sonst würde das Ding nachts hin- und hergeschoben werden im Mundwinkel), ist aber auch etwas beweglich am Verbindungsgelenk mit der Schiene, so dass es bei leichten Bewegungen mitgeführt wird und nicht drückt. Dieses Gelenk kann man schwer erkennen, du musst dir vorstellen, der Strohhalmdraht (dick) wird durch die Öse geführt, die du auf der anderen Seite der Spange gut erkennen kannst, in einer Windung (wie ein Schweineschwänzchen). Du kannst die Fotos gern veröffentlichen.

Zähneknirscher Paul​

Was soll ich da noch sagen? Kreativ gelöst! Freilich kann Paul noch einen Schritt weitergehen und mögliche Auslöser des Saugens und Beißens angehen. Aber zunächst einmal ist das selbstschädigende Verhalten erfolgreich unterbunden. Hut ab und Gratulation!

Weitere Behandlungsmöglichkeiten der "körperbezogenen repetitiven Verhaltensstörung"

Onmeda (Fallbeispiel), Wikipedia (Artikel „Parafunktion“) und MSD Manual („körperbezogene repetitive Verhaltensstörung“) sind sich dahingehend einig, dass Entspannung und ein bewusster Umgang mit Stress bzw. Nervosität helfen können. Das finde ich für Zähenknirscher besonders naheliegend, da sogenannte nervöse Ticks immer wieder auch als mögliche Mitauslöser von Bruxismus genannt werden. Solche Gewohnheiten zu verändern, ist aber leichter gesagt als getan. Das weiß wahrscheinlich jeder Betroffene. Persönlich freue ich mich nach wie vor riesig, dass ich nach drei Jahrzehnten Nagelbeißen endlich diese Angewohnheit losgeworden bin. Wie? Offenbar durch Meditation, und zwar nach meinem Podcastinterview mit NeuroMeditationstrainer Marbod Kindermann. Vielen Dank an Marbod!

Der Onlineartikel im MSD Manual nennt weitere Behandlungsmöglichkeiten, auch mit Medikamenten. Letzteres kommt vermutlich nur in schwerwiegenden Fällen in Betracht, nehme ich an. Weitere mögliche Schritte sind Sensibilisierung (Auslöser finden), Stimuluskontrolle (z.B. Auslöser vermeiden) und konkurrierendes Reaktionstraining (sozusagen Auslöser umprogrammieren). Ausführlicher im MSD Manual. Diese Herangehensweise liegt nahe an den drei Schritten, die ich im Podcast Gewohnheiten verändern beschrieben habe. Im Zusammenhang mit den sogenannten „nervösen Ticks“ möchte ich mich mit zentralnervösen Störungen näher beschäftigen und euch einen Blogbeitrag dazu anbieten. Das kann aber noch einige Zeit lang dauern.

Habt ihr persönliche Erfahrungen mit Wangenbeißen? Was hat euch dabei geholfen? Schreibt es mir in die Kommentare!

Weiterführende Links und Quellenangaben

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