Ist Botox sinnvoll bei Bruxismus und CMD?

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Wenn etwas toxisch ist, dann ist es ein Gift. Das gilt auch für Botulinumtoxin, kurz Botox.Es wird in der Schönheitschirurgie verwendet und in bestimmten medizinischen Fällen, etwa bei Spastiken. Aber ist der Einsatz sinnvoll, wenn du mit den Zähnen knirschst und presst? Offiziell gegen Bruxismus zugelassen ist Botox nicht. Eingesetzt wird es trotzdem. Für mich persönlich sage ich gleich vorweg: In mein Gesicht kommt kein Gift. Punkt.

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  • Meinungswiedergabe: Ich bin zwar psychologischer Berater, Stresspräventionstrainer und Schlafcoach, aber kein Therapeut. Der Artikel gibt meine persönliche Meinung als medizinischer Laie wieder. Er ersetzt keinen Arztbesuch.
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Das Problem

Es wird wahrscheinlich kaum Menschen geben, die sagen: „Ja, ich will Gift! Her damit!“ Sicher nicht. Dass Botox überhaupt bei Bruxismus (Zähneknirschen und -pressen) und CMD (Fehlfunktion des Kau- und Kiefersystems) zum Einsatz kommt, liegt an der Verzweiflung der Betroffenen. Manche leiden so sehr unter ihren Kopfschmerzen, dem andauernden Migränegefühl und den Schlafstörungen, dass sie an nichts Anderes mehr denken können. Sie können ihre Arbeit nicht mehr gut machen und geraten aufgrund ihrer ständigen Schmerzen und schlechten Laune in Streit mit dem Partner. Alles scheint zusammenzubrechen. Die Betroffenen haben Zahnärzte, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten besucht, aber nichts scheint zu helfen. Wenn dann ein Mittel wie Botox eine schnelle und effektive Abhilfe verspricht, dann sind die Nebenwirkungen nicht mehr so wichtig. Es sieht aus wie der einzige Ausweg.

Die Hoffnung

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Eine 48-Jährige hat eine Besserung ihrer Kopfschmerzen erfahren.

Die Kaumuskeln werden mit Botox behandelt und dadurch geschwächt. Das Gift wirkt in diesem Fall als Muskelrelaxanz. Wenn alles gut geht, nimmt der Bruxismus mit sofortiger Wirkung deutlich ab. Genau die Muskeln, die das starke Pressen und Knirschen ausführen, sind geschwächt. Patienten haben innerhalb weniger Tage kaum oder keine Kopfschmerzen mehr, der Tinnitus geht zurück und der Schlaf wird wieder erholsamer.

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Die Behandlung

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Ein Arzt erklärt den Ablauf der Behandlung.

Wer sich bei seinem Bruxismus nicht anders zu helfen weiß als mit Botox, muss mehrere Spritzen im Gesichtsbereich über sich ergehen lassen. Insbesondere der Musculus masseter wird behandelt, einer der kräftigsten Muskeln im ganzen Körper. Wenn du etwas zwischen deine Zähne legst und kräftig zubeißt, kannst du den Masseter ungefähr dort spüren, wo der Hamster seine Hamsterbacken hat. Nun ist das Gesicht ein sensibler Bereich. Nicht weit vom Massetermuskel verlaufen zum Beispiel die Muskeln, die du zum Lächeln brauchst. Wenn du zurückschreckst und dein Lächeln nicht durch Botox in Gefahr bringen möchtest, zeigst du eine ganz normale und gut verständliche Reaktion.

Allerdings ist die Anwendung von Botox relativ gut erforscht und Nebenwirkungen treten nicht häufig auf. In den Kommentaren unterhalb dieses Artikels berichtet die Mitarbeiterin einer Praxis von positiven Erfahrungen ihrer Patienten. Ich nehme an, dass der Kommentar „echt“ ist, was man online meistens nicht sicher weiß.

Die Risiken und Nebenwirkungen

Viele Patienten befürchten, nicht mehr richtig kauen zu können. Wenn Botulinumtoxin die Kaumuskeln lähmt, könnte die Kraft beim Essen verlorengehen. In den meisten Fällen tritt diese Befürchtung nicht ein. Ich habe aber von Betroffenen gehört, die nach der Botox-Behandlung das Sabbern begonnen haben. Igitt. Das möchte niemand. Neben dem Risiko, dass die falschen Muskeln Botox abbekommen und die Mimik eingeschränkt wird, geht es aber auch um die Zähne und Knochen. Im aktuellen Wikipedia-Artikel wird vor eine dauerhaften Schädigung der Kieferknochens und der Zahnsubstanz gewarnt. Die Botoxbehandlung eignet sich zwar keinesfalls als Dauerbehandlung, aber manche Betroffene lassen sich regelmäßig behandeln. Etwa drei bis sechs Monate hält die Wirkung an. Dann braucht man die nächsten Spritzen.

Wer sich dauerhaft im Gesicht mit Gift behandeln lässt, hat das höchste Risiko für Nebenwirkungen. Wenn du also aus Ratlosigkeit Botox gegen Bruxismus einsetzt, dann bitte nur als erste schnelle Abhilfe, damit du dich dann auf eine wirkliche Behandlung der Krankheitsursachen konzentrieren kannst. Denn irgendetwas ist an deiner Knirscherei schuld. Vielleicht ist es Stress, vielleicht sind es zentralnervöse Störungen oder Schlafstörungen, vielleicht etwas Anderes. Finde es heraus und schaffe eine wirkliche Lösung, damit du kein Botox mehr brauchst.

Die Kosten

In diesem Video aus dem SAT.1-Frühstücksfernsehen von 2017 berichtet eine Reporterin, dass Botox ihr gegen Kopfschmerzen geholfen hat. Die Kosten von 450 Euro pro Behandlung sind ihr aber zu hoch, weshalb sie andere Lösungen gegen ihren Bruxismus suchen möchte.

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SAT.1-Frühstücksfernsehen über Botox gegen Bruxismus.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Ferda

    Und was genau sind diese schlimmen Nebenwirkungen? Wieso kann ich sie trotz zweifachem Durchlesen nicht finden? Wenn man etwas verteufelt und angst schürt sollte man auch Fakten aufzählen können!

    1. Christian Koch

      Hallo Ferda,

      danke für deine Rückmeldung! Ich nehme deinen Kommentar zum Anlass, eine Prüfung und ggf. Überarbeitung dieses Artikels von 2019 auf meine (lange) Liste für weitere Arbeiten am Blog zu setzen. Hast du oben den Abschnitt „Die Risiken und Nebenwirkungen“ gesehen? Hier nochmal ein Zitat daraus:
      „Die Risiken und Nebenwirkungen
      Viele Patienten befürchten, nicht mehr richtig kauen zu können. Wenn Botulinumtoxin die Kaumuskeln lähmt, könnte die Kraft beim Essen verlorengehen. In den meisten Fällen tritt diese Befürchtung nicht ein. Ich habe aber von Betroffenen gehört, die nach der Botox-Behandlung das Sabbern begonnen haben. Igitt. Das möchte niemand. Neben dem Risiko, dass die falschen Muskeln Botox abbekommen und die Mimik eingeschränkt wird, geht es aber auch um die Zähne und Knochen. Im aktuellen Wikipedia-Artikel wird vor eine dauerhaften Schädigung der Kieferknochens und der Zahnsubstanz gewarnt.“
      Für die nächste Überarbeitung möchte ich mir einige Studien genauer anschauen, denn tatsächlich gibt es eine erstaunlich hohe Zahl von wissenschaftlichen Studien zum Einsatz von Botox gegen Bruxismus. Möglicherweise kommt Botox in der aktuellen Fassung des Artikels (Datum heute: 22.3.22) noch etwas zu schlecht weg, das kann sein. Vielen Dank für den Hinweis!

      Hier für den Augenblick ein paar Beispiele zu Nebenwirkungen, die online genannt werden:
      – „Eine zu hohe Dosis an Botulinumtoxin kann in Schluckstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder auch einer starken Einschränkung der Mimik resultieren. Gelangt das Gift in die Blutbahn, muss sofort ein Antiserum gegeben werden. Bis dessen Wirkung einsetzt, muss der Patient beatmet werden, weil der Giftstoff die Atemmuskulatur lähmt.“ (Netdoktor zu Nebenwirkungen von Botox – in dem Artikel geht es nicht unmittelbar um Botox gegen Bruxismus)
      – „kleine Blutergüsse an den Injektionsstellen sowie in seltenen Fällen Mundtrockenheit“ (MedSpecialists über Botox gegen Bruxismus)
      – „Seltenere Botox-Nebenwirkungen bei kosmetischen Behandlungen sind:
      Rötung und Schwellung der behandelten Stelle
      Kopfschmerzen
      trockene Augen oder veränderter Tränenfluss
      Schielen oder Doppelsehen
      hängende Augenlider
      Stimmstörungen“
      (Theorodidis Aesthetics über den Einsatz von Botox zu kosmetischen Behandlungen im Gesicht – in dem Artikel geht es also nicht unmittelbar um den Einsatz von Botox gegen Bruxismus)

      Falls du dich für eine Behandlung mit Botulinumtoxin entscheidest, schreib mir gerne von deinen Erfahrungen!

      Herzliche Grüße,
      Christian

      1. Ferda

        Sehr geehrter Herr Koch,

        in der Überschrift geht es doch um den Sinn der Botox Behandlung bei Bruxismus/CMD oder habe ich es falsch verstanden?

        Die Frage ist, wie ich finde, nicht beantwortet.

        Die „schlimmsten Nebenwirkungen“ sind maximum 6 Monate, bis das so genannte Botox ihre Wirkung vollständig verliert.
        Jedes Antibiotikum, sogar leichte Schmerzmittel haben schlimmere und langwierigere Nebenwirkungen als Botox.
        Ich kenne keinen der sabbert, schief guckt oder ähnliches. Ich bin in einer Praxis beschäftigt. Und keiner hat die o.g. von ihnen beschrieben „schlimmsten Nebenwirkungen“. Alle sind munter und happy weil sie ihre Zähne so gerettet haben, keine Kopfschmerzen mehr haben und kein Knacken beim Kauen oder ähnliches. Zu dem verweisen sie ernsthaft auf ein Wiki Eintrag welches jeder Hans und Franz erstellen und verändern kann. Es gibt durchaus bessere Quellen!

        Wenn man natürlich sparen will, und zu nicht erfahrenen Docs geht, der ist selber dafür verantwortlich. Heute kann man hervorragend recherchieren.

        Freundliche Grüße

        1. Christian Koch

          Hallo Ferda,

          vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung aus einer Praxis! (Da wie auf den meisten Blogs auch hier auf dem Blog das „du“ üblich ist, bleibe ich mal dabei.)
          Es freut mich, dass du von den Patienten deiner Praxis positive Rückmeldungen erhältst. Bislang haben mich – wenn auch wenige – enttäuschte bis negative Rückmeldungen von botoxbehandelten Bruxismuspatienten erreicht.

          Aus meiner Sicht geht es um eine Abwägung: Welche Behandlungsmethode bietet im Einzelfall die beste Kombination von langfristigem Behandlungserfolg mit geringem Nebenwirkungsrisiko? Wenn möglich, ist eine Ursachenbehandlung einer Symptombehandlung vorzuziehen.

          Nichtdestoweniger: Wie gesagt steht der Blogbeitrag auf meiner Überarbeitungsliste. Die medizinisch-wissenschaftliche S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Bruxismus hält fest:
          „Die Injektion mit Botulinumtoxin scheint somit eine der wenigen wirksamen Substanzen zur Behandlung des Bruxismus zu sein. Offen sind jedoch weiterhin Fragen zu Zielmuskeln, zur Zahl der Injektionsorte und zur Dosierung und Verdünnung des Botulinumtoxins. Analog zu anderen Indikationen in der Botulinumtoxin-Therapie sind über allgemeine Risiken dieser Behandlungsmethode, wie die Entstehung neutralisierender Antikörper, aufzuklären. Zudem sind der ‚Off-Label-Use‘ und berufsrechtliche Vorgaben zu beachten“ (S. 72f.). Das steht aus meiner Sicht nicht im Widerspruch zum obenstehenden Artikel.

          Herzliche Grüße,
          Christian