Studienlage zu Botox gegen Bruxismus (2022)

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Auf Botox bzw. Botulinumtoxin bin ich zuletzt 2019 im Blogbeitrag Ist Botox sinnvoll bei Bruxismus und CMD? eingegangen. In einer Diskussion in den Kommentaren habe ich angekündigt, hier auf dem Blog die Studienlage zu Botox gegen Bruxismus genauer darstellen zu wollen. Das hole ich heute nach: Was sagt die Forschung zur Anwendung von Botulinumtoxin bei Zähneknirschen und Zähnepressen?

Artikelgliederung

Transparenzhinweise und rechtliche Absicherung

  • Werbung/ Advertorial: Dieser Beitrag wurde von der Firma Dermalfillers2000 finanziert, einem Anbieter von botox.
  • Meinungswiedergabe: Ich bin zwar psychologischer Berater, Stresspräventionstrainer und Schlafcoach, aber kein Therapeut. Der Artikel gibt meine persönliche Meinung als medizinischer Laie wieder. Er ersetzt keinen Arztbesuch.
  • Produkt- oder Firmennamen können markenrechtlich geschützt sein. Ein fehlendes Trademarkzeichen bedeutet nicht, dass keine Marke vorliegt.
  • Quelle Titelbild: Screenshot der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Bruxismus

Vorgehen: S3-Leitlinie als erste Anlaufstelle

Im Mai 2019 wurde erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Bruxismus veröffentlicht. Mediziner und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Fachgesellschaften haben im ersten Schritt wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Bruxismus von 1996 bis März 2016 und in einem zweiten Schritt vom März 2016 bis August 2018 neu hinzugekommene hochwertige Publikationen (systematische Literaturübersichten und randomisierte, kontrollierte Studien) ausgewertet. Daher ist die Leitlinie eine geeignete Anlaufstelle, um sich einen Überblick über die wissenschaftliche Studienlage zu Botox gegen Bruxismus zu verschaffen. Ich habe sie nach den Begriffen „Botox“ und „Botulinumtoxin“ durchsucht. Zusätzlich habe ich mir im medizinischen Wissenschaftsportal PubMed Meta-Analysen und systematische Übersichten von 2018 bis 2022 angeschaut (Suchbegriffe: „botox bruxism“ und „botulinum toxin bruxism“ ).

Empfehlung der S3-Leitlinie

Die Autorinnen und Autoren der Leitlinie kommentieren Vorgehen und Ergebnisse der Studien und bringen ihre Gesamtbetrachtung in sogenannten Empfehlungen auf den Punkt. Aus der Auswertung der Studienlage zu Botox gegen Bruxismus kommt das abstimmende Gremium mit 18 Ja-Stimmen und einer Enthaltung zu dieser Empfehlung:

Die Injektion von Botulinumtoxin bei Erwachsenen in die Kaumuskulatur kann als Behandlungsmaßnahme erwogen werden. Hierbei sind der „Off-Label-Use“3 und berufsrechtliche Vorgaben zu beachten.

Es handelt sich also weder um ein „Botox sollte bei Bruxismus eingesetzt werden“ noch um ein „Botox sollte nicht eingesetzt werden“. Schauen wir uns die Begründung und die Kommentare zu den Studien an.

Details aus der Leitlinie

Zunächst ist festzuhalten: Wenn Pharmaka gegen Bruxismus, dann Botox. Die Studienlage spricht gegen den Einsatz anderer Medikamente bei Zähneknirschen und Zähnepressen.

Einzig die Anwendung von Botulinumtoxininjektionen in die Kaumuskulatur (Mm. masseteres und/oder Mm. temporales) zeigt Wirkungen über einen längeren Zeitraum. Hierzu liegen teilweise auch Ergebnisse aus randomisierten, kontrollierten Studien vor.

Botox bewirkt Schmerzreduktion

Mehrere Studien belegen eine Verminderung von Muskelschmerzen durch Botulinumtoxin (z.B. Persaud et al. 2013, De la Torre Canales et al. 2017, Long et. al 2012, Sposito et al. 2014). Dieser Effekt lässt sich zuverlässig bestätigen. Eine hochwertige Studie von Al Wayli (2017) stellt sogar einen stärkeren Schmerzrückgang durch Botox. im Vergleich zur Schienentherapie fest. Falls du meinen Artikel zur Unterscheidung von Ursachenbehandlung und Symptombehandlung bei Bruxismus gelesen hast, weißt du: Eine Schmerzbehandlung ist eine Symptombehandlung, keine Ursachenbehandlung.

Keine Abnahme der Häufigkeit von Bruxismusepisoden?

Wie kommt es zu der Schmerzreduktion durch Botox? Shim et. al haben mit einem Elektromyogramm (EMG) die Muskelaktivität bei Patientinnen und Patienten erfasst. Eine Gruppe hatte Botulinumtoxininjektionen in den Hamsterbackenmuskel Masseter erhalten, eine andere zusätzlich in den Schläfenmuskel Temporalis. 

In beiden Gruppen veränderten sich im EMG weder die Häufigkeit noch die Dauer der Bruxismusaktivität. Die Amplitude und somit die Intensität der Muskelaktivität reduzierten sich in beiden Gruppen dagegen signifikant und parallel mit der Verringerung klinischer Symptome der Studienteilnehmer.

Dafür gibt es eine naheliegende Erklärung: Die Botoxinjektionen bewirken eine teilweise Lähmung der Kaumuskulatur. Dadurch kann der Zähneknirscher nicht mehr so viel Kraft aufwenden (geringere Amplitude und Intensität). In der Folge leidet er weniger unter Bruxismussymptomen wie Schmerzen. Die Ursachen für das Zähneknirschen und Zähnepressen werden durch die Muskellähmung allerdings nicht behoben. Zentralnervöse Störungen, Stress und Schlafstörungen nehmen nicht wesentlich ab, wenn auch durch die geringeren Schmerzen eine Art von Stress weniger wird, der Schmerzstress. Innere Unruhe und zentralnervöse Störungen lassen die Bruxistin also weiterhin mit den Zähnen knirschen und pressen (gleichbleibende Häufigkeit und Dauer der Bruxismusaktivität).

Die meisten Studien sprechen in diese Richtung, allerdings nicht alle. Zumindest subjektiv berichteten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer von einem Rückgang des selbst wahrgenommenen Bruxismus (Long et al. 2012). Diese subjektive Wahrnehmung lässt sich meiner Meinung nach hinreichend durch den Schmerzrückgang erklären und steht daher nicht im Widerspruch zu den anderen Studienergebnissen.

Studienlage zu Nebenwirkungen von Botox gegen Bruxismus

Ich habe in früheren Beiträgen möglicherweise die Risiken und Nebenwirkungen einer Botoxanwendung bei Zähneknirschen und Zähnepressen überbetont. Die S3-Leitlinie geht jedenfalls davon aus, dass Botulinumtoxininjektionen bei nicht zu hoher Dosierung eine sichere Methode sind. Sie hält allerdings auch fest:

Offen sind jedoch weiterhin Fragen zu Zielmuskeln, zur Zahl der Injektionsorte und zur Dosierung und Verdünnung des Botulinumtoxins. Analog zu anderen Indikationen in der Botulinumtoxin-Therapie sind über allgemeine Risiken dieser Behandlungsmethode, wie die Entstehung neutralisierender Antikörper, aufzuklären. Zudem sind der „Off-Label-Use“ und berufsrechtliche Vorgaben zu beachten.

In der Studie von Shim et. al (2014) haben 14 Patientinnen und Patienten von Missempfindungen nach der Injektion berichtet – 14 von 24, also mehr als die Hälfte. Andere Studien berichten allerdings keine Nebenwirkungen. Für mich lässt sich weiterhin festhalten: Andere Methoden in der Bruxismusbehandlung sind sicherer und kommen zuverlässig ohne Nebenwirkungen aus. Mir wurde von einem Fall berichtet, in dem eine Zähneknirscherin nach Botoxinjektionen weniger Kontrolle über ihre Kaumuskeln hatte und zu sabbern begann. Solche Berichte schrecken mich und andere ab. Dennoch gehört auch zur Wahrheit, dass es sich um Einzelfälle handelt. In aller Regel scheint die Bruxismusbehandlung mit Botulinumtoxin mit wenigen oder keinen Nebenwirkungen auszukommen.

Wissenschafte Publikationen seit 2018

Da die S3-Leitlinie Veröffentlichungen bis August 2018 berücksichtigt, habe ich im medizinischen Wissenschaftsportal PubMed nach Meta-Analysen und Systematischen Literaturübersichten seit 2018 mit den Suchbegriffen „botox bruxism“ und „botulinum toxin bruxism“ gesucht. Die sechs Ergebnisse entsprechen im Wesentlichen den Erkenntnissen der S3-Leitlinie.

Cheng et. al: Rückgang der Bruxismusereignisse

Eine Meta-Analyse von 2021 stellt nicht nur signifikante Verbesserung hinsichtlich des Kaumuskelschmerzes in Ruhe sowie eine leichte Verbesserung beim Kauen fest, sondern auch einen signifikanten Rückgang der Zahl der Knirschereignisse. Das gilt für die Dauer der Botoxbehandlung. Offen ist, ob der Bruxismus nach Abschluss der Behandlung wieder zunimmt oder sogar stärker wird.

Sendra et. al: Wirksame Symptombehandlung

Diese systematische Übersicht von 2020 sieht Botulinumtoxin als wirksam in der Symptombehandlung von Bruxismus. Einige Detailfragen zur Anwendung sind weiterhin offen bzw. brauchen Klärung durch weitere Studien.

Ågren et al.: Studienlage zu Botox bei Bruxismus uneinheitlich

Die Studienlage zu Botox gegen Bruxismus ist uneinheitlich und die Wirksamkeit nicht hinreichend belegt, sagt dieses Systematic Review von 2019.

Patel et. al: Botox nicht als Erstbehandlung

Es gibt Hinweise auf die Wirksamkeit von Botulinumtoxin in der CMD- und Bruxismusbehandlung. Allerdings sollten mit Blick auf die Kosten und möglichen Nebenwirkungen von Botox zunächst konservative Behandlungsansätze ausgereizt werden. So diese systematische Literaturübersicht von 2019.

Fernández-Núñez et. al: Botox sicher und wirksam

Zu einem im Vergleich deutlich positiverem Ergebnis kommt diese Literaturübersicht von 2019: „Injektionen mit BTX-A sind eine sichere und wirksame Behandlung für Bruxismuspatienten. Daher ist deren Einsatz in der täglichen klinischen Praxis begründet, insbesondere bei Patienten mit der Diagnose von schwerem Bruxismus.“ (Eigene Übersetzung. Original: „Infiltrations with BTX-A are a safe and effective treatment for patients with bruxism, so its use is justified in daily clinical practice, especially in patients diagnosed with severe bruxism.“)

Minakuchi et. al: Botox laut Studienlage wirksam bei Bruxismus

Dieses Systematic Review von 2022 untersucht mehrere Ansätze in der Bruxismusbehandlung. Botox wird eine Wirksamkeit zugestanden, allerdings wurden mehrere Nebenwirkungen berichtet („… several side effects were reported“).

Mein Fazit: Eine mögliche, aber nicht die bevorzugte Behandlungsmethode

Bruxismus ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Verschiedene Ursachen und Symptome können zusammenkommen und sich gegenseitig verstärken. Die Behandlung von Bruxismus mit Botox stellt sich als Option zur Symptombehandlung dar, vor allem zur Schmerzreduktion. Manche Studien weisen auf weitere positive Effekte hin. Trotz verschiedener Berichte von Nebenwirkungen gelten Injektionen von Botulinumtoxin in die Kaumuskulatur als grundsätzlich sicher. Persönlich bevorzuge ich andere Ansätze, die nicht nur weniger Nebenwirkungen mit sich bringen, sondern zum Teil auch eine Wirksamkeit in der Ursachenbehandlung mit sich bringen. 

Warum auch eine Symptombehandlung sinnvoll sein kann, habe ich im letzten Blogbeitrag zur Unterscheidung von Symptombehandlung und Ursachenbehandlung bei Bruxismus erläutert

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Quellenangaben

Erwähnte Studien aus der S3-Leitlinie (Nummerierung entspricht Literaturverzeichnis der Leitlinie)

  • 44. De la Torre Canales G, Câmara-Souza MB, do Amaral CF, Garcia RC, Manfredini D. Is there enough evidence to use botulinum toxin injections for bruxism management? A systematic literature review. Clin Oral Investig 2017;21:727-734. 

  • 46. De Mello Sposito MM, Feres Teixeira SA. Botulinum Toxin A for bruxism; a systematic review. Acta Fisiatr 2014;21:201-204. 

  • 135. Long H, Liao Z, Wang Y, Liao L, Lai W. Efficacy of botulinum toxins on bruxism: an evidence-based review. Int Dent J 2012;62:1-5. 

  • 188. Persaud R, Garas G, Silva S, Stamatoglou C, Chatrath P, Patel K. An evidence-based review of botulinum toxin (Botox) applications in non-cosmetic head and neck conditions. J R Soc Med Sh Rep 2013;4:1-9. 

  • 214. Shim YJ, Lee MK, Kato T, Park HU, Heo K, Kim ST. Effects of botulinum toxin on jaw motor events during sleep in sleep bruxism patients: a polysomnographic evaluation. J Clin Sleep Med 2014;10:291-298. 

Meta-Analysen und Literaturübersichten aus meiner PubMed-Recherche

  • Hajime Minakuchi et al., Managements of sleep bruxism in adult: A systematic review, 2022
  • Fernández-Núñez et al., Efficacy of botulinum toxin in the treatment of bruxism: Systematic review, 2019
  • Patel et. al, A systematic review of botulinum toxin in the management of patients with temporomandibular disorders and bruxism, 2019
  • Ågren et al., The effect of botulinum toxin injections on bruxism: A systematic review, 2020
  • Sendra et. al, Clinical outcomes of botulinum toxin type A injections in the management of primary bruxism in adults: A systematic review, 2021
  • Cheng et. al, Efficacy of botulinum-A for nocturnal bruxism pain and the occurrence of bruxism events: a meta-analysis and systematic review, 2022

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. J.N.

    Lieber Christian,

    deine sehr gut recherchierte und aufbereitete Übersicht zur Studienlage hat mich Anfang 2023 bestärkt, Botox gegen Zähneknirschen auszuprobieren. Ich bin dir sehr dankbar für die Zeit und Mühen, die in diesen Artikel geflossen sind

    Mein Bruxismus ist nach einer Coronainfektion mit Spätfolgen merklich schlimmer geworden, sodass ich (zuvor praktisch symptomfrei) auf einmal plötzlich jeden Morgen Kieferschmerzen (mitsamt der bekannten Ausstrahlungen in Kopf- und Halsmuskulatur) hatte.

    Die Injektionen habe ich bei einem plastischen Chirurgen vornehmen lassen, Kostenpunkt ca. 300 Euro. Zusätzlich zu den Kaumuskeln (Masseter und Temporalis) habe ich mir noch Injektionen in die Muskeln im Zervikal- und Paraspinalbereich setzen lassen (Kostenpunkt zusätzlich ca. 125 Euro), da ich wegen einer Wirbelsäulenerkrankung schon sehr lange an Nackenverspannungen, Spannungskopfschmerzen und Migräne leide und auch diese nach der Coronainfektion chronisch geworden waren.

    Ich habe alle Injektionen sehr gut vertragen und eine erste wahrnehmbare Wirkung zeigte sich nach ca. 1 Woche und nahm immer weiter zu. Ich musste nachts keine Aufbusschiene mehr tragen, schlief besser ein und durch und Häufigkeit und Intensität der Spannungskopfschmerzen und Migräne waren deutlich reduziert.
    Parallel habe ich natürlich weiter meine gewohnten Therapien (Sport, Physio, Entspannungsübungen) verfolgt.

    Nach 3 Monaten merkte ich ein Nachlassen der Wirkung und nach 4 Monaten spürte ich wieder deutlich mehr Verspannungen.und Beschwerden. Obwohl es mir besser ging als vor der ersten Behandlung, habe ich die Injektionen kürzlich wiederholt und merke erneut wie entlastend die spannungs- und schmerzlindernde Wirkung von Botox ist. Es ermöglicht einen die anderen nicht-medikamentösen Maßnahmen motivierter und zielgerichteter zu verfolgen ohne Frust, dass sich „so wenig tut“. Das Ziel ist natürlich, dass die anderen Maßnahmen irgendwann so an Effektivität gewonnen haben, dass erneute Botoxinjektionen nicht mehr nötig sind.

    Ich kann nur jedem raten, der bislang mit anderweitigen Methoden zu wenig Linderung seiner Beschwerden erreicht hat, die Beratung bei einem (seriösen!) plastischen Chirurgen mit Erfahrung in Behandlung von Bruxismus und Schmerzpatienten zu suchen und es einmal für dich auszuprobieren.

    1. Christian Koch

      Hallo J.N.,
      vielen Dank für dein Feedback und deinen Erfahrungsbericht! Ich freue mich, dass dir der Blogbeitrag bei der Recherche helfen konnte. Das motiviert mich auch für meine nächsten Artikel. Vor allem finde ich deinen Erfahrungsbericht wertvoll für andere Betroffene.